Andreas Tögel über Harald Walachs kritische Analyse des Menschen der Zukunft
Was geschieht, wenn der Mensch beginnt, sich selbst zu optimieren? Wenn Krankheit, Alter und sogar der Tod zunehmend als technische Probleme verstanden werden?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Psychologe und Wissenschaftler Harald Walach in seinem neuen Buch „Transhumanismus. Welche Zukunft wollen wir?“. Eine pointierte Rezension dazu hat jetzt Andreas Tögel verfasst.
Tögel zeichnet darin die zentralen Gedanken des Buches nach: Walach untersucht den Transhumanismus als Bewegung, die den Menschen mithilfe von Gentechnik, technischen Schnittstellen zwischen Gehirn und Computer sowie pharmakologischen Eingriffen über seine bisherigen biologischen Grenzen hinausführen möchte.
Dabei geht es Walach nicht grundsätzlich nur um technische Möglichkeiten, sondern um die dahinterliegende Vorstellung vom Menschen. Wie Tögel in seiner Rezension herausarbeitet, sieht Walach im Transhumanismus eine säkularisierte Heilsvision.
„Der Transhumanismus verkörpert alle Prinzipien, die der traditionellen christlichen oder jüdischen Religion lieb und teuer sind, jedoch in einer vollständig säkularisierten Form.“ (Harald Walach)
Der Transhumanismus erzeugt die Hoffnung auf eine technologische Überwindung menschlicher Grenzen – bis hin zur Vorstellung von Unsterblichkeit.
Was darf Wissenschaft entscheiden?
Besonders kritisch wird die Frage dort, wo wissenschaftlicher Fortschritt mit gesellschaftlichen Wertentscheidungen gleichgesetzt wird.
Tögel verweist in seiner Rezension auf Walachs Auseinandersetzung mit der Geschichte der Eugenik und ihrer ideologischen Nähe zu bestimmten Vorstellungen menschlicher „Verbesserung“. Walach warnt davor, den jeweils aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnis zur unumstößlichen Grundlage irreversibler Eingriffe in den Menschen zu machen.
Auch die Erfahrungen während der Covid-19-Pandemie nimmt Walach zum Anlass, über den Umgang mit wissenschaftlichem Konsens, Unsicherheit und abweichenden Positionen nachzudenken. Tögel greift diese Argumentation in seiner Rezension ausführlich auf.
Der Kern der Kritik liegt dabei in einer einfachen, aber weitreichenden Unterscheidung:
Wissenschaft kann untersuchen, was ist. Aber kann sie auch bestimmen, was sein soll?
Walach beantwortet diese Frage klar mit Nein. Die Entscheidung darüber, welche Eigenschaften des Menschen wünschenswert sind und welche Zukunft wir anstreben, ist keine wissenschaftliche Messfrage, sondern eine Frage von Werten und Verantwortung.
Am Ende steht deshalb die Frage, die bereits der Titel des Buches stellt:
Welche Zukunft wollen wir?
Und vor allem: Wer entscheidet darüber?
Andreas Tögels Rezension bietet einen kritischen Einblick in Walachs Auseinandersetzung mit einer Entwicklung, die angesichts von Gentechnik, künstlicher Intelligenz, Neurotechnologie und neuen medizinischen Verfahren zunehmend konkreter wird.
Eine Debatte, die nicht nur Wissenschaftler und Technologen betrifft – sondern uns alle.