Harald Walach über Transhumanismus, Menschenbild und die offene Aufarbeitung der Corona-Krise

Harald Walach über Transhumanismus, Menschenbild und die offene Aufarbeitung der Corona-Krise

Was bedeutet es, Mensch zu sein – und welche Zukunft wollen wir? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift VIER – Die vierte Gewalt. Im Mittelpunkt steht ein ausführliches Interview mit dem Psychologen, Wissenschaftstheoretiker und Autor Prof. Dr. Dr. Harald Walach über sein Buch „Transhumanismus – Welche Zukunft wollen wir?“. Ergänzt wird die Ausgabe durch eine neue Kolumne der MWGFD, die sich mit der wissenschaftlichen und politischen Aufarbeitung der Corona-Krise beschäftigt.

Transhumanismus als säkulare Religion

Walach beschreibt den Transhumanismus als eine postmoderne, materialistische Religion. Seine These: Der Mensch habe ein grundlegendes Bedürfnis nach Sinn, Hoffnung und einer Vorstellung von Zukunft. Der Transhumanismus greife dieses Bedürfnis auf und verbinde es mit dem Versprechen, den Menschen mithilfe von Gentechnik, technologischen Implantaten und anderen Innovationen zu „verbessern“.

Krankheit, körperliche Begrenzungen und letztlich sogar die menschliche Vergänglichkeit könnten – so das transhumanistische Narrativ – durch wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt zunehmend überwunden werden. Walach sieht darin die säkularisierte Übernahme klassischer religiöser Motive, insbesondere der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Vom Menschen als biologischem System zum Menschen als technologischem Projekt

Besonders kritisch betrachtet Walach das Menschenbild, das hinter Teilen des Transhumanismus steht. Wenn der Mensch im Wesentlichen als biologischer Algorithmus und das Gehirn als eine Art biologischer Computer verstanden werde, verändere sich auch unser Verständnis von Geist, Würde und Persönlichkeit.

Dem stellt Walach die Vorstellung eines nicht-materiellen Kerns des Menschen gegenüber – eines „Seelenkerns“ oder „Seelenfunkens“, wie ihn verschiedene philosophische und religiöse Traditionen beschrieben haben. Für ihn ist die Frage nach dem Wesen des Menschen deshalb weit mehr als eine technische oder medizinische Frage: Sie berührt unser grundlegendes Verständnis von Würde und Menschsein.

 

Digitalisierung, KI und die Frage nach unserer Verantwortung

Auch aktuelle Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, Gehirn-Computer-Schnittstellen und die zunehmende Digitalisierung ordnet Walach in diesen größeren Zusammenhang ein. Technologien könnten zunächst zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden, später aber auch freiwillig zur Optimierung menschlicher Fähigkeiten genutzt werden.

Dabei sieht Walach eine wichtige Verantwortung beim Einzelnen: Welche Technologien und Dienstleistungen wir nutzen, beeinflusse mit, welche Entwicklungen sich gesellschaftlich durchsetzen. Seine zentrale Forderung lautet daher, kritisch zu hinterfragen, wohin unser individueller Konsum langfristig führt.

 

Corona: Walach fordert wissenschaftliche Aufarbeitung

Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews ist die Frage, welche Rolle die Corona-Pandemie heute noch spielt. Walach berichtet in seiner Funktion als Vorsitzender der MWGFD – Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie e. V. von der weiteren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit COVID-19 und den Impfstoffen.

Im Interview verweist er auf einen Brief der MWGFD an die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), dem eine 15-seitige annotierte Bibliografie wissenschaftlicher Veröffentlichungen beigefügt wurde. Darin seien Studien und Übersichtsarbeiten zusammengestellt worden, die aus Sicht der MWGFD eine kritische Neubewertung der Nutzen-Risiko-Frage der COVID-19-Impfstoffe nahelegen.

 

Die MWGFD berichtet in der Kolumne außerdem über ihre Kommunikation mit der EMA und fordert eine umfassende wissenschaftliche und politische Aufarbeitung der Pandemie. Dabei geht es unter anderem um die Zulassungsdokumente, die Bewertung der Impfstoffe sowie die Rolle von Behörden und Politik während der Krise.

 

Eine Ausgabe über die Zukunft des Menschen

Die aktuelle VIER verbindet damit zwei große Fragen: Wie wollen wir künftig mit Wissenschaft und Technologie umgehen – und welches Menschenbild soll dabei die Grundlage bilden?

Das Interview mit Harald Walach lädt dazu ein, die Versprechen des technologischen Fortschritts nicht nur unter dem Gesichtspunkt des Machbaren zu betrachten, sondern auch nach ihren philosophischen, gesellschaftlichen und ethischen Konsequenzen zu fragen.

Die neue MWGFD-Kolumne erweitert diesen Blick um die Frage, wie wissenschaftliche Kontroversen, politische Entscheidungen und gesellschaftliche Krisen im Nachhinein aufgearbeitet werden können.

Eine Ausgabe für alle, die Wissenschaft nicht nur konsumieren, sondern kritisch hinterfragen und über die Zukunft unseres Menschenbildes mitdenken möchten.

Quelle: VIER – Die vierte Gewalt, Ausgabe 3/2026; Interview mit Harald Walach, S. 10–11, sowie MWGFD-Kolumne, S. 36–37.