Logistik-Experte und Herausgeber von „Mut zum Widerspruch“ Dr. Wolfgang Stölzle bei Kontrafunk
Dr. Wolfgang Stölzle, renommierter Logistikexperte, ehemaliger Professor an der Universität St. Gallen und Herausgeber von „Mut zum Widerspruch“ ist zu Gast in der Sendung Kontrafunk Aktuell vom 27. Mai 2026.
Das Gespräch mit Stefan Millius zeigt schonungslos, wie fragil das System der globalen Lieferketten tatsächlich ist.
Die Blockade der Straße von Hormuz und die temporär massiven Störungen am Luftfracht-Drehkreuz Dubai haben weitreichende Konsequenzen. Erdöl, Treibstoffe, Flüssiggas und auch Düngemittel kommen derzeit kaum noch durch. Während die Schweiz bis Ende Mai noch einigermaßen gesichert zu sein scheint, drohen ab Juni ernste Engpässe bei Treibstoffen, Heizöl und Düngemitteln. Das Bundesamt für Wirtschaftliche Landesversorgung hält sich diesbezüglich auffällig bedeckt. Besonders dramatisch: Afrika steht vor Hungersnöten historischen Ausmaßes, weil dringend benötigter Dünger nicht rechtzeitig ankam.
Stölzle kritisiert, dass trotz der Erfahrungen mit abgerissenen Lieferketten infolge der politisch gesetzten Corona-Massnahmen an der jahrzehntelang erfolgreichen Effizienz-Maximierung durch Just-in-Time-Konzepte verbunden mit massivem Outsourcing festgehalten wurde.
Denn was lange niedrige Kosten garantierte, erweist sich nun als hochgefährlich. Unternehmen kennen oftmals ihre eigenen Lieferketten auf den Vorstufen der Wertschöpfung teilweise gar nicht oder zumindest nicht mehr im Detail.
Die Erkenntnis aus den Erfahrungen in den Jahren 2020 bis 2022, die Lieferketten resilienter zu machen, wurde offenbar kaum umgesetzt.
Die zentralen Aussagen des Gespräches:
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Bestandsaufbau wäre in aktuell unsicheren Zeiten sinnvoll, ist aber in der bei einer rezessiven Wirtschaft kostenmässig schwer tragbar.
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Near Shoring (u. a. Rückverlagerung von Produktion nach Europa) braucht Jahre und erfordert hohe Investitionen.
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Unternehmen sollten dringend Szenarien mit vordefinierten Entscheidungen („Schubladenpläne“) erstellen, um dann, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, rational und nicht emotional agieren zu können.
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Erforderlich ist auch menschliche Resilienz – sowohl bei Führungskräften als auch in der Belegschaft.
Stölzle macht deutlich: Die Politik ist kaum beeinflussbar. Die Unternehmen – besonders der Mittelstand – müssen selbst vorsorgen. Wer nur wartet, bis die ehemals bewährten Logistikkonzepte wieder funktionieren, spielt russisches Roulette mit der Versorgungssicherheit.
Fazit: Die aktuelle Krise ist nicht nur eine temporäre Störung. Sie ist ein Weckruf, dass das Zeitalter der grenzenlosen Globalisierung an seine Grenzen gestoßen ist.
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