Wortwechsel & Saitenspiel: Wenn Haltung auf Klang trifft
„Mut zum Widerspruch“ in der schwäbischen Provinz – ein Abend zwischen Redefreiheit, Diskussion und Musik
Kann ein Buch über Widerspruch und Redefreiheit zum Ausgangspunkt für einen Abend werden, bei dem Diskussion und Musik miteinander verschmelzen? Die Veranstaltung „Wortwechsel & Saitenspiel: Wenn Haltung auf Klang trifft“ in der historischen Zehntscheuer hat genau das ausprobiert.
Rund 40 Gäste fanden den Weg in die historische Zehntscheuer und gaben dem Abend damit einen würdigen Rahmen. Für Discorso war die Veranstaltung in mehrfacher Hinsicht ein Experiment.
Ein Buch auf neuen Wegen
Zum einen ging es darum, das Buch „Mut zum Widerspruch“ in die schwäbische Provinz zu tragen und seine Themen dorthin zu bringen, wo sie im direkten Austausch diskutiert werden können.
Zum anderen entstand das Veranstaltungskonzept nicht aus den Händen professioneller Eventveranstalter, sondern aus einer persönlichen Verbindung: Der Mitherausgeber und Autor Wolfgang Stölzle entwickelte den Abend gemeinsam mit seinem ehemaligen Klassenkameraden Rainer Buchmann, der als Moderator und Gitarrist durch die Veranstaltung führte.
Und schließlich sollte etwas miteinander verbunden werden, das auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint: die Diskussion über gesellschaftliche Fragen und die musikalische Gestaltung durch das Gitarren- und Gesangsduo Best & Buchmann.
So entstand der Titel des Abends:
„Wortwechsel & Saitenspiel – Wenn Haltung auf Klang trifft.“
Redefreiheit als zentrale Botschaft
Auf dem Podium nahmen Rainer Buchmann, Martin Michaelis und Wolfgang Stölzle, Sylvia Theis, Verwaltungsrätin von Discorso Platz. Nach der Pause stiess noch der Sohn von M . Michaelis - Lucian Michaelis - mit einem kurzen Beitrag zu der Runde.
Im Zentrum der Diskussion stand eine der wesentlichen Botschaften von „Mut zum Widerspruch“: die Rückkehr zur Redefreiheit.
Ausgangspunkt waren zunächst die persönlichen Erfahrungen und Schicksale der Autoren. Sie machten die Themen des Buches konkret und greifbar. Gleichzeitig blieb es nicht bei individuellen Erfahrungen. Die Diskussion weitete sich auf grundsätzliche Fragen aus und übertrug die angesprochenen Themen auf weitere gesellschaftliche Bereiche.
Damit wurde deutlich: Die Frage, wie frei Menschen ihre Meinung äußern können und wie eine Gesellschaft mit unterschiedlichen Positionen umgeht, betrifft weit mehr als einzelne persönliche Geschichten.
Kontroverse – ohne den Respekt zu verlieren
Besonders lebendig wurde der Abend in den letzten 30 Minuten, als das Publikum intensiv in die Diskussion einstieg.
Dabei wurden durchaus unterschiedliche und teilweise konträre Meinungen geäußert. Bemerkenswert war jedoch, dass Sachlichkeit und Respekt vor Andersdenkenden jederzeit gewahrt blieben.
Gerade dieser offene Austausch machte deutlich, worum es bei einer lebendigen Debattenkultur gehen kann: unterschiedliche Positionen auszuhalten, Fragen zu stellen, Argumente auszutauschen – und dabei miteinander im Gespräch zu bleiben.
Wenn Diskussion auf Musik trifft
Zwischen den Gesprächssequenzen sorgten Best & Buchmann mit ihren musikalischen Beiträgen für einen bewussten Wechsel der Atmosphäre.
Der Wechsel zwischen Wort und Musik gab dem Abend seinen besonderen Charakter. Wo zuvor argumentiert und diskutiert wurde, entstand Raum für Klang und Atmosphäre. So wurde aus einer klassischen Buchveranstaltung ein Format, das verschiedene Formen des Austauschs miteinander verband.
Bücher, Begegnung und Fingerfood
Auch für die passende literarische Begleitung war gesorgt. Die Staufen-Buchhandlung aus Göppingen war mit einem Büchertisch vertreten und bot den Gästen damit die Möglichkeit, sich direkt vor Ort mit dem Buch und weiterer Literatur zu beschäftigen.
In der Pause gab es zudem Fingerfood und Getränke – eine kleine Stärkung, die nicht nur der Verpflegung diente, sondern auch Gelegenheit für persönliche Gespräche und Begegnungen bot.
Ein gelungenes Experiment
Am Ende zeigten sich Gäste und Veranstalter gleichermaßen zufrieden.
Was als Experiment begonnen hatte – ein Buch in die Region zu bringen, ein ungewöhnliches Veranstaltungsformat zu entwickeln und Diskussion mit Musik zu verbinden – erwies sich als tragfähiges Konzept.
„Wortwechsel & Saitenspiel“ hat gezeigt, dass kontroverse Themen auch in einem offenen, respektvollen Rahmen diskutiert werden können.
Und vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis des Abends: Widerspruch muss nicht trennen. Er kann zum Ausgangspunkt für Begegnung, Austausch und ein besseres Verständnis unterschiedlicher Perspektiven werden.
Einer Wiederholung des Formats steht damit nichts entgegen.