Podcast mit Prof. Harald Walach: Transhumanismus: Die neue materialistische Religion?

Podcast mit Prof. Harald Walach: Transhumanismus: Die neue materialistische Religion?

Transhumanismus und Religion - lässt sich dies vergleichen? In der neuesten Folge von Discorso sprach der Schweizer Journalist Urs Ellenberger mit Prof. Dr. Dr. Harald Walach über dessen brandneues Buch „Transhumanismus. Welche Zukunft wollen wir?“. Prof. Walach, klinischer Psychologe, Philosoph und Mitbegründer von Discorso, legt eine fundierte und kritische Analyse einer der einflussreichsten Ideologien unserer Zeit vor.

Was genau ist Transhumanismus?

Der Transhumanismus ist keine Randerscheinung mehr. Prof. Walach datiert seine Entstehung in die späten 1980er und frühen 1990er Jahre. Eine kleine, aber einflussreiche Gruppe von Denkern kam zu dem Schluss: Die biologische Evolution hat den Menschen hervorgebracht – jetzt sind wir an der Reihe, die Evolution bewusst weiterzuführen.

Ziel der Transhumanisten ist die radikale Verbesserung des Menschen:

  • Genetische Editierung
  • Technische Schnittstellen (Brain-Computer-Interfaces)
  • Pharmakologische und gentechnische Optimierung
  • Letztlich die Abschaffung von Altern, Krankheit und Tod

Lässt sich der Mensch wirklich so optimieren und effizienter machen? Oder handelt es sich beim transhumanistischen Menschen nicht einfach nur um die neueste Ausgabe einer Software, die nun nicht mehr in Geräte, sondern in uns selbst implementiert werden sollte? Wie wir wissen hat Technik bislang immer auch Störungen gezeigt, die zu Beginn nicht sichtbar waren. Viren, Bugs, Hackerangriffe, Ausfälle etc..... Und nun will die Technik den Menschen verbessern??

Am Ende der transhumanistischen Agenda soll der „Übermensch“ stehen – eine Idee, die Prof. Walach bis zu Nietzsche zurückverfolgt.

Transhumanismus als säkulare Religion

Prof. Walach sieht im Transhumanismus eine neue, wissenschaftsgläubige Religion. Statt auf ein jenseitiges Leben zu hoffen, wird die Erlösung materialistisch auf die Erde geholt. Die „sichere Erwartung der zukünftigen Herrlichkeit“ (mittelalterliche Definition von Hoffnung) wird in eine technisch machbare Zukunft projiziert.

Besonders deutlich wird dies am Satz: „Gott ist tot – wir sind Gott.“ Prof. Walach hat hierzu sogar eine Skala entwickelt, mit der er transhumanistische Überzeugungen messen kann.

Die mRNA-Impfungen als transhumanistischer Meilenstein

Prof. Walach interpretiert die Covid-ModRNA-Impfungen als erstes großes Ausrollen der transhumanistischen Agenda in Form einer transhumanistischen Medizin. Dies hat gezeigt, dass man den menschlichen Organismus gentechnisch programmieren kann. Damit wurde eine technologische Plattform geschaffen, die für zukünftige „Enhancement“-Maßnahmen genutzt werden kann.

Wichtig: Prof. Walach spricht nicht von einer Verschwörung einzelner Transhumanisten, sondern von einer Ideologie, die sich mit ökonomischen Interessen, Angstnarrativen und medialer Unterstützung verbunden hat. Religiöse Begriffe wie „Rettung“ und „Erlösung“ wurden säkularisiert und massenmedial verbreitet.

Die Abschaffung des Todes – und ihre Folgen

Ein Kernanliegen des Transhumanismus ist die Überwindung des Todes. Walach hält diese Idee nicht nur für unrealistisch, sondern für tief problematisch.

Ohne Endlichkeit verliert das Leben seinen Sinn. Entscheidungen, Liebe, Moral – alles wird beliebig, wenn man unendlich Zeit hat. Er illustriert dies eindrücklich mit dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Selbst wenn es technisch möglich wäre, würde es zu einer Gerontokratie der Reichen führen, zu Stagnation und massiven gesellschaftlichen Konflikten.

Gehirn-Computer-Schnittstellen und die Zukunft des Menschen

Walach warnt vor der naiven Vorstellung, man könne einfach Elektroden ins Gehirn einpflanzen. Der Organismus reagiert aktiv – mit Entzündungen, Narbenbildung und technischen Problemen. Dennoch zeigen Umfragen: Rund 30 % der Menschen würden sich eine Schnittstelle einbauen lassen, um direkt mit dem Internet verbunden zu sein.

Hoffnung bleibt – durch Spiritualität 

Trotz aller Kritik ist Walach optimistisch. Befragungen zeigen, dass sich deutlich mehr als die Hälfte der Menschen als spirituell versteht. Zwei Drittel der Psychotherapeuten geben an, schon spirituelle Erfahrungen gemacht zu haben.

Seine klare Empfehlung zum Schluss: Tägliche spirituelle Praxis. Wer in sich selbst und in einer transzendenten Dimension verwurzelt ist, ist deutlich resistenter gegen materialistische Ideologien.

„Eine halbe Stunde nichts tun jeden Tag – das ist aus meiner Sicht der entscheidende Punkt.“


Das Buch Harald Walach: Transhumanismus. Welche Zukunft wollen wir?
Jetzt druckfrisch beim Discorso-Verlag erhältlich.

Hört den vollständigen Podcast auf unserer Website hier: https://discorso.ch/pages/podcast